4 einfache Analysen zur Winter-Transferperiode 2017


  • Moderatorenteam

    Ein Gastbeitrag von Ralf Leister (15.02.2017)

    Wie in der letzten Woche angekündigt, widmen wir uns auch in diesem Beitrag der Winter-Transferperiode 2017. Inhaltlich ist dieser Artikel stark an den Bericht der Sommer-Transferperiode 2016 angelehnt.

    Aus diesem Grund beantworten wir dieselben Fragen wie damals.

    • Welche Arten von Spielerverpflichtungen sind wie stark verbreitet?
    • Welcher Club hat den höchsten / niedrigsten Transfersaldo?
    • Welcher Verein hat die meisten Transferbewegungen?
    • Welcher Bundesligist hat die jüngsten / ältesten Zu- bzw. Abgänge?

    Erneut warten spannende Erkenntnisse auf uns.

    Um die aufgeführten Fragen zu beantworten, habe ich die von → Transfermarkt.de bereitgestellten Daten zur Winter-Transferperiode 2017 analysiert (Abrufdatum: 12.02.2017).

    Arten der Transfers

    Die folgende Grafik stellt die verschiedenen Arten von Transferbewegungen (Zu- & Abgänge) der Bundesligisten in der Winter-Transferperiode 2017 dar. Berücksichtigt wurden hierbei insgesamt 104 Spielerbewegungen und somit nur knapp ein Viertel der Transferbewegungen aus dem Sommer 2016 (442).

    Zum Verständnis: Sollte ein Spieler innerhalb der Bundesliga von einem Fußballclub zu einem anderen wechseln, löst dies zwei Transferbewegungen (Abgang & Zugang) aus.

    Transferbewegungen 2017

    Meiner Meinung nach sind die Unterschiede zur Verteilung während der Sommer-Transferperiode sehr interessant.

    Kurzfristigkeit vor Langfristigkeit

    Es gab vergleichsweise höhere Anteile von Transfers mit Ablösesumme (35%) und Leihen (31%) als zur warmen Jahreszeit. Im Gegenzug sind die Werte für ablösefreie Wechsel (20%) und Jugend (12%) gesunken.

    Ich finde das plausibel, da in der Winter-Transferperiode überlicherweise kurzfristige Sofortlösungen verpflichtet werden. Sollte sich ein Spieler verletzt haben, in Ungnade fallen oder sonstige Schwächen im Kader auffallen, wird im Winter nachgebessert.

    In den seltensten Fällen werden strategisch lange vorbereitete Wechsel im Winter durchgeführt.

    Ein Spieler des HSV ganz vorne

    Übrigens: Der am häufigsten auftauchende Spieler ist Kyriakos Papadopoulos. Er wird als Abgang bei RB Leipzig geführt, an die er bisher ausgeliehen war. Korrekterweise ist er bei Bayer 04 Leverkusen als Zu- und als Abgang aufgeführt, schließlich kam er von Leipzig direkt zum Hamburger SV.

    Dort ist er aktuell in einer Top-Verfassung und laut Datenbank als Zugang vermerkt. Insgesamt bringt Papadoloupos es somit auf vier Erwähnungen.

    Transfersalden der Fußballclubs

    Die folgende Grafik stellt die Transfersalden der einzelnen Clubs gegenüber. Sortiert sind die Bundesligisten hierbei absteigend (vom höchsten zum niedrigsten Transfersaldo). Der Transfersaldo ergibt sich, wenn man von den Einnahmen die Ausgaben abzieht.

    Berücksichtigt habe ich lediglich die gezahlten Ablösesummen. Mögliche Zahlungen von Leihgebühren sind demnach nicht enthalten.

    Transfersalden

    Hoher Einfluss von Einzeltransfers

    Genau wie letzte Woche in der Betrachtung des → internationalen Transfermarkts haben auch im aktuellen Beitrag einzelne Transfers einen großen Einfluss.

    Der VfL Wolfsburg hat durch den Verkauf von Julian Draxler an Paris Saint German 40 Millionen Euro eingenommen. Davon haben sie einiges – aber bei Weitem nicht alles – wieder ausgegeben.

    Unter anderem für den bisherigen Mainzer Yunus Malli. Dieser kostete den Werksclub 12,5 Millionen Euro und ist der Grund für den positiven Transfersaldo des FSV Mainz 05.

    Sofortlösung vs. strategische Verpflichtungen

    Wie oben beschrieben ist die Winter-Transferperiode häufig gekennzeichnet durch kurzfristige Soforthilfen. Bestes Beispiel dafür ist der zuvor bereits erwähnte Transfer von Kyriakos Papadopoulos.

    Der Grieche ist bis Saisonende von Bayer 04 Leverkusen zum Hamburger SV ausgeliehen. Eine Kaufoption besitzen die Hamburger – laut öffentlichen Informationen – nicht.

    Das ist schade, weil somit kein langfristiger Wert für den Club geschaffen werden kann. Nichts desto trotz war der Transfer aus Hamburger Sicht – zumindest bisher – Gold wert!

    Es geht jedoch auch anders. Nicht nur die Hamburger investierten in ein junges Talent (Walace). Auch die anderen fünf Clubs mit einem stark negativen Trasnfersaldo verstärkten sich durch junge (und teure) Spieler.

    Am meisten Aufmerksamkeit hat wohl der junge Schwede Alexander Isak erzeugt. Der „neue Zlatan (Ibrahimović)“ kostete die Dortmunder immerhin 8,6 Millionen Euro. Für einen 17 Jährigen ein stolzer Preis.

    Zu- & Abgänge der Clubs

    Die Dringlichkeit des Handlungsbedarfes können wir nicht nur an stark negativen Transfersalden erkennen. Auch die absolute Zahl an Zu- & Abgängen gibt Aufschluss über Änderungen der aktuellen Spielerkader.

    Aus diesem Grund schauen wir uns diese spannenden Größen ebenfalls je Club an. Die Reihenfolge orientiert sich an der oben aufgezeigten Rangfolge nach Transfersalden.

    Zu und Abgänge je Club

    Viele Zugänge sprechen für Unzufriedenheit

    Auf den ersten Blick fällt es schwer, aus dem aufgezeigten Diagramm etwas abzuleiten. Schauen wir uns die Extremfälle an, können wir jedoch einige Muster erkennen.

    Die beiden Clubs mit den meisten Zugängen (Darmstadt 98 & VfL Wolfsburg) können mir ihrer aktuellen Tabellensituation nicht zufrieden sein.

    Genau so, wie man bei sportlichen Misserfolgen irgendwann den Trainer entlassen muss (haben beide Clubs bereits getan), muss man mit dem neuen Trainer auf dem Transfermarkt aktiv sein.

    Viele Abgänge = viele Leihen

    Bei den Clubs mit den meisten Abgängen sind zwei Gemeinsamkeiten zu erkennen. Neben der sicher zufälligen Tatsache, dass alle Clubs sechs Abgänge verzeichneten, ist eine klare Tendenz zum Verleihen von Spielern erkennbar.

    Werder Bremen: Verleiht vier der sechs Abgänge (67%)
    RB Leipzig: Verleiht drei der sechs Abgänge (50%)
    TSG Hoffenheim: Verleiht zwei seiner sechs Abgänge (33%)
    FSV Mainz 05: Verleiht einen seiner sechs Abgänge (17%)

    FC Bayern ohne Zugänge

    Der einzige Club ohne einen einzigen Zugang ist der FC Bayern München. Meiner Ansicht nach spricht das einmal mehr für eine langfristige Kaderpolitik der Münchener und natürlich für ihren aktuellen Erfolg.

    Für den deutschen Top-Club beginnt mit dem Achtelfinale der Champions League erst jetzt die heiße Phase der Saison. Spannend bleiben die Aktivitäten der Münchener nach Saisonende und somit erst wieder im Sommer.

    Alter der Zu- & Abgänge

    Abschließend wollen wir uns in diesem Beitrag das Durchschnittsalter der Spielerbewegungen je Fußballclub in der Winter-Transferperiode 2017 anschauen. Hierbei verwende ich dieselbe Reihenfolge wie in den obigen Schaubildern.

    Winter-Transferperiode Durchschnittsalter

    Verjüngung des Kaders im Vordergrund

    Trotz des kurzfristigen Soforthilfe-Charakters der Winter-Transferperiode schaffen viele Clubs eine Verjüngung ihres Kaders.

    Lediglich Darmstadt 98, Schalke 04 & RB Leipzig verpflichten durchschnittlich ältere Spieler als sie abgeben.

    Fazit

    Die Aktivitäten auf dem Spielermarkt in der Winter-Transferperiode 2017 verraten uns wiedereinmal spannende Dinge über die Strategie sowie die Zufriedenheit der einzelnen Clubs.

    Ralf Leister ist Autor des Blogs fussballwirtschaft.de



  • Es ist immer besser, wenn nicht mehr als 2-3 Spieler integriert werden müssen. Leider musste beim HSV ab 2014 fast der gesamte Kader ausgewechselt werden. Da muss erstmal etwas zusammen wachsen. Die Zeiten werden erst besser, wenn eine gute Basis da ist und maximal 3 Spieler pro Transferperiode geholt werden - oder auch mal der eine oder andere Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen integriert wird.