Wie die Bundesliga Fernsehgelder (nicht) verteilt werden sollten


  • Global Moderator

    Ein Gastbeitrag von Ralf Leister (07.12.2016)

    Im letzten Beitrag habe ich die Verteilung der Bundesliga Fernsehgelder als → faulen Kompromiss bezeichnet. Meckern ist immer einfach. Deshalb möchte ich einen konstruktiven Vorschlag für ein weiteres Kriterium im Verteilungsschlüssel machen.

    Einen ähnlichen Ansatz fuhr auch das Team Marktwert. Ich finde jedoch, dass dieser Vorschlag auch in die falsche Richtung geht.

    Wie man meiner Meinung nach die Fernsehgelder (nicht) verteilen sollte, erfährst Du heute.

    Kritik am Team Marktwert

    In dem Team verbündeten sich sechs Traditionsclubs der Bundesliga. Diese möchten sich dafür einsetzen, Tradition in der Verteilung der Bundesliga Fernsehgelder zu belohnen.

    Im diesem Verbund arbeiteten der Hamburger SV, der 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, Hertha BSC und der VfB Stuttgart.

    Dass jeder Bundesligaclub die Verteilung zu seinen Gunsten beeinflussen möchte, ist absolut vertretbar. Stichwort: → Rattenrennen

    Zu viele Interessen für ein gutes Ergebnis

    Ich vergleiche die Abstimmung der DFL über die Verteilung der Bundesliga Fernsehgelder gerne mit der Politik. Auch hier möchten viele Parteien mit den unterschiedlichsten Interessen mitreden. Am Ende kommt meistens irgendetwas ohne große Abweichung vom Status Quo heraus, was jede Partei anschließend als Erfolg verkauft.

    Insofern hat es mich wenig gewundert, dass es zu besagtem → faulem Kompromiss gekommen ist.

    Nun aber zurück zum Team Marktwert.

    Wie misst man Tradition?

    Zur Beeinflussung der Verteilung der Bundesliga Fernsehgelder musste der Arbeitskreis die Frage beantworten, wie man Tradition misst. Obwohl sie diese Frage richtig ausgemacht haben, lief das Team meiner Meinung nach danach in die falsche Richtung.

    Im Anschluss diskutierte man nämlich über Kriterien wie Social Media-Relevanz, Mitgliederzahlen, Stadionauslastung und Anzahl der Fans, die an Auswärtsfahrten teilnehmen. Ich konnte nicht anders, als über diesen Ansatz den Kopf zu schütteln.

    Schließlich möchte ich nicht, dass sich mein Lieblingsclub darauf konzentriert die meisten Facebook-Fans zu haben, sondern (so gut es geht) Fußball zu spielen. Dabei helfen weder hohe Follower-Zahlen bei Twitter, Likes auf Instagram oder eine aktive Snapchat-Story.

    Über die Zuschauerzahlen im Stadion zu gehen finde ich ebenfalls irreführend. Ein volles Stadion ist bereits über den → Umsatztreiber „Spieltagserlöse“ auf der Einnahmeseite eines jeden Clubs vertreten. Hier geht es um die Bundesliga Fernsehgelder.

    Wie verteilt man denn nun Bundesliga Fernsehgelder?

    So viel vorweg: Die eine richtige Lösung gibt es nicht. Ich finde jedoch, dass ein Kriterium durchaus etwas mehr Beachtung verdient hat: Die Einschaltquoten im Pay-TV. Dieses Kriterium hat das Team Marktwert ebenfalls ins Gespräch gebracht, jedoch war es hierbei nur eines von vielen.

    Herkunft der Bundesliga Fernsehgelder

    Wie Du bereits mitbekommen hast, bin ich sehr stark für Gerechtigkeit. Aus diesem Grund möchte ich nochmal hervorheben, wo die Bundesliga Fernsehgelder herkommen.

    In regelmäßigen Abständen verkauft die DFL die Fernsehrechte an unterschiedliche Medienhäuser. Diese Auktionen beinhalten verschiedene Rechtepakete (z.B. Bundesligaspiele, DFB-Pokal etc.).

    Das dadurch erworbene Geld verteilt die DFL nach dem definierten und von mir kritisierten Schlüssel an die Fußballclubs weiter.

    Am spendabelsten zeigte sich bei der vergangenen Auktion der Pay-TV Anbieter Sky. Dieser möchte seinen Abonnenten weiterhin die Bundesliga präsentieren und griff dafür tief in die Tasche.

    Die Abonnenten wiederum zahlen Sky dafür zwischen ~19 und ~37 € pro Monat (laut Sky-Website). Wir können demnach davon ausgehen, dass mit jedem abgeschlossenen Sky-Abo (für das Bundesligapaket) in der nächsten Auktion ein erneuter Rekord zu verzeichnen sein wird.

    5. Kriterium: verursachungsgerechte Schlüsselung

    In der Betriebswirtschaftslehre gibt es mehrere Möglichkeiten für die Schlüsselung von Kosten bzw. Erträgen. Eine davon ist die verursachungsgerechte Zuordnung.

    Aus diesem Grund möchte ich vorschlagen, die Bundesliga Fernsehgelder zum Teil nach den Einschaltquoten bei Sky zu verteilen.

    Selbstverständlich profitieren die stark nachgefragten Fußballclubs (HSV, FC Bayern, Borussia Dortmund, Werder Bremen etc.) von diesem Vorschlag. Nichts desto trotz ist er nicht ungerecht, da jeder Club zwei Mal in der Saison gegen diese Profiteure spielt.

    Somit gleicht sich der Effekt wieder etwas aus. Berücksichtigt hätten wir die Herkunft der Bundesliga Fernsehgelder dennoch.

    Ralf Leister ist Autor des Blogs fussballwirtschaft.de



  • Es ist ziemlich sicher, dass der Hamburger SV sogar bundesweit sehr viel mehr Sky-Abonnenten vorweisen kann als Sinzheim oder Wolfsburg. Daher wäre eine Berücksichtigung der Einschaltquoten die fairste Lösung für die zahlenden TV-Zuschauer und ihren Club.



  • absolut richtig, die Herkunft der Kohle wäre auf jeden Fall ein wichtiges Kriterium bei der Verteilung der TV-Gelder an die Vereine.